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Drawing Restraint 9

Originaltitel

Drawing Restraint 9

Kinostart

Deutschland: 08.06.2006

Website
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Produktion

USA, Japan 2005

135 Minuten
Farbe | 35 mm | OmU

Bild- und Textmaterial finden Sie auf unserem Presseserver

DRAWING RESTRAINT 9 beginnt mit einer Prozession vor einer japanischen Ölraffinerie. Von den Werkstoren aus wird ein mit heißer Vaseline beladener Tanklastwagen hinab zum örtlichen Hafen geleitet. Hunderte von Japanern säumen den Weg des von Ochsen, Pferden, Hirschen und Wildschweinen gezogenen Tankwagens und bejubeln den Moment, als dieser längs eines riesigen Fabrikschiffs zum Stehen kommt. Die heiße Vaseline wird auf das im Hafen liegende Schiff verladen und dort an Achterdeck in eine gewaltige, offene Gussform gepumpt. Dann bricht das Schiff in antarktische Gewässer auf, wobei sich die Vaselinemasse im Verlauf mehrerer Wochen allmählich abkühlt. Die getrocknete Oberfläche des Abgusses wird so zu einer provokativen Reflektion über die veränderten Gegebenheiten der Ozeane. Die Methoden und Werkzeuge, die sonst bei der Verarbeitung von Walen Anwendung finden, kommen auch bei der Formgebung der Skulptur zum Einsatz. Die Geschichte kulminiert in dem Moment, da die Skulptur aus ihrer Gussform befreit wird, gerade als das Schiff vor dem Hintergrund strahlend heller Eisberge die antarktischen Gewässer erreicht.

Die Formung der Vaselinefigur auf dem Arbeitsdeck kontrastiert mit einer Liebesgeschichte, die sich auf dem zweiten Deck des Fabrikschiffs abspielt. Die streng geregelte Choreographie einer traditionellen japanischen Teezeremonie bildet den Hintergrund für das Techtelmechtel zwischen zwei aus der westlichen Zivilisation stammenden Gästen, die sich ineinander verlieben, während ihnen von der Schiffsbesatzung grüner Tee serviert wird. Im weiteren Verlauf der Reise verwandelt sich die Teestube in eine Teekanne, indem sie sich allmählich mit einer warmen Flüssigkeit füllt. Die mitreisenden Gäste des Schiffs werden von der Flüssigkeit umhüllt und erleben am Ende von DRAWING RESTRAINT 9 eine mysteriöse Verwandlung.

CAST & CREW

BESETZUNG

Occidental Guest BJÖRK
Occidental Guest MATTHEW BARNEY
Sho Player MAYUMI MIYATA
SHIRO NOMURA
Barber SHIGERU AKAHORI
Ama NAOMI ARAKI

STAB

Regie MATTHEW BARNEY
Produktion MATTHEW BARNEY
BARBARA GLADSTONE
Drehbuch MATTHEW BARNEY
Kamera PETER STRIETMANN
Musik BJÖRK

BACKGROUND

Anmerkung des Regisseurs

DRAWING RESTRAINT 9 ist das neunte Werk in einer Reihe von Arbeiten, die im Jahr 1987 initiiert wurde. Das Projekt begann als ein Experiment im Atelier, bei welchem dem Akt des Malens Hindernisse entgegengesetzt wurden. Nach und nach hat das Projekt dann narrativere Züge angenommen. Was ursprünglich in Echtzeit und wider die Gesetze der Schwerkraft aufgeführt wurde, hat nun mit DRAWING RESTRAINT 9 zu einer metaphorischen und kinematographischen Form gefunden.
 
Das Fundament von DRAWING RESTRAINT 9 basiert auf einem dreiteiligen Zyklus mit dem Titel "The Path". Hierbei handelt es sich um eine Meditation über den Schöpfungsprozess. Als "Situation" ist der Zustand gekennzeichnet, in dem der nackte Trieb oder das Verlangen vorherrschen. Es ist die Phase, in der die subjektiven Bedürfnisse, angetrieben von einer  undifferenzierten sexuellen Energie, wahllos befriedigt werden. In diesem Stadium wurde die innerhalb des Systems waltende Energie als richtungslos dargestellt: Sie ist unfähig, irgendeine Form hervorzubringen.
 
"Condition" veranschaulicht dann die disziplinarische Instanz, welche sich die im Zustand der "Situation" vorherrschende, nackte und sinnlose Energie nutzbar macht, um sie dahingehend zu kanalisieren, dass Sinnvolles daraus entsteht. "Condition" bildet Inhalte, die im Stadium der "Situation" verbraucht wurden, und verleiht ihnen ansatzweise eine Form.

In der Phase der "Production" zeichnet sich allmählich eine Form ab. Wenn "The Path" als ein Verdauungsapparat veranschaulicht werden kann, dann entspricht die "Production" seinem analen oder oralen Output. Letztendlich bestand das Anliegen von "The Path" darin, die in der Phase der "Production" entstehende Form zu abstrahieren und einen Bogen zwischen "Situation" und "Production" zu schlagen. Die Form wurde "Bolus" genannt und wies die Gestalt einer kleinen Hantel auf. Ich stellte mir dabei etwas Stoffliches vor, das vom Apparat aufgenommen wird, Nährstoffe bietet, während es sich durch das System bewegt und sich verwandelt, indem es durch die disziplinarische Instanz geht. Der "Bolus" funktionierte als eine externe Verbindung zwischen "Situation" und "Condition". In diesem Sinne stellt das Projekt DRAWING RESTRAINT 9 eine Art wechselseitiger Befruchtung zwischen dem Verlangen, schöpferisch tätig zu werden, und der Disziplin, die eine dauerhafte schöpferische Tätigkeit ermöglicht, dar: den Versuch, die kreative Energie aufrechtzuerhalten, indem man es seinem schöpferischen Tun nicht erlaubt, eine konkrete Form anzunehmen.

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