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Tomboy

Originaltitel

Tomboy

DVD/Blu-ray Start

DVD: 14.09.2012
Bluray: 14.09.2012

Kinostart

Deutschland: 03.05.2012
Österreich: 04.05.2012

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Produktion

Frankreich 2011

Bild- und Textmaterial finden Sie auf unserem Presseserver

Laure trägt ihre Hosen am liebsten weit und die Haare kurz. Wie ein Mädchen sieht sie nicht aus und möchte am liebsten keins sein. Laure ist ein Tomboy (*). Als sie mit ihren Eltern umzieht nutzt sie ihre Chance und stellt sich ihren neuen Freunden als Michael vor. Geschickt hält sie ihr intimes Abenteuer vor den Eltern geheim. Für ihre Familie bleibt sie Laure, doch für die anderen Kinder ist sie Michael, der rauft, Fußball spielt, und in den sich die hübsche Lisa verliebt. Laure kostet ihre neue Identität aus, als ob der Sommer ewig so weitergehen könnte.

Mit frappierender Authentizität, Leichtigkeit und Natürlichkeit erzählt die Regisseurin Céline Sciamma in TOMBOY vom entscheidenden Sommer eines Mädchens, das anders sein möchte.

(*) Der Begriff „Tomboy“ bezeichnet ein Mädchen, das sich wie ein Junge kleidet, fühlt und benimmt.

CAST & CREW

BESETZUNG

Laure & Michael ZOÉ HERAN
Jeanne MALONN LÉVANA
Lisa JEANNE DISSON
Laure´s Mutter SOPHIE CATTANI
Laure´s Vater MATHIEU DEMY
Noah NOAH VERO
Cheyenne CHEYENNE LAINÉ
Rayan RAYAN BOUBEKRI

STAB

Buch und Regie CÉLINE SCIAMMA
Produzent BÉNÉDICTE COUVREUR
Kamera CRYSTEL FORNIER
Schnitt JULIEN LACHERAY
Musik JEAN-BAPTISTE DE LAUBIER

BACKGROUND

INTERERVIEW MIT CÉLINE SCIAMMA

Was war der Ausgangspunkt für Ihren Film?

TOMBOY ist unglaublich schnell entstanden. Zwischen der Arbeit am Skript und dem Kinostart lag nicht einmal ein ganzes Jahr. Ich habe mit dem Schreiben des Drehbuchs im April 2010 begonnen, und im August drehten wir bereits. Die Dreharbeiten dauerten zwanzig Tage lang, wobei das Filmteam aus vierzehn Leuten bestand. Diese nackten Zahlen verraten schon Einiges über den Geist, von dem das Filmprojekt beseelt war, über die Radikalität und die Dynamik, um die es mir ging. Und genau das war auch mein Ausgangspunkt: eine bestimmte Herangehensweise und die Lust, anders zu arbeiten als sonst üblich. Schon seit langem ging mir die Geschichte eines jungen Mädchens durch den Kopf, das sich für einen Jungen ausgibt. Ich hatte den Eindruck, damit Neuland zu betreten, zumal es nicht gerade häufig geschieht, dass Identitätsprobleme während der Kindheit im Kino thematisiert werden. Es scheint fast, als wäre die sexuelle Orientierung von Kindern mit einem Tabu behaftet. Und dies, obwohl doch gerade die Kindheit eine Zeit der großen Gefühle und intensiven sinnlichen Erlebens darstellt. Bei TOMBOY ging es mir darum, einen energiegeladenen, freien Film zu drehen: Ich wollte neue Dinge ausprobieren, was die Inszenierung betrifft, mehr Schnitte vornehmen, die Abfolge der einzelnen Sequenzen anders gestalten als sonst und dabei lange Plansequenzen weitgehend vermeiden. Ich hatte Lust auf einen kraftvollen Film, der von scharfen Gefühlskontrasten lebt.

Das Identitätsproblem des Mädchens, das die Hauptfigur des Films ist, beginnt und endet zugleich mit der Nennung ihres Vornamens: Michael bzw. Laure…

Ich wollte Laure nicht als eine Person porträtieren, die von vornherein, also schon bevor man sie nach ihrem Namen fragte, Opfer einer schweren Identitätskrise war, selbst wenn sie ihr Haar kurz trägt und auch sonst recht jungenhaft erscheint. Ein Zuschauer, der nichts über den Inhalt des Films wüsste, müsste es bis zur Badeszene mit sich selbst ausmachen, ob er da einen Jungen oder ein Mädchen auf der Leinwand sieht. Es ist der Blick der anderen, der darüber entscheidet, wer man ist. Der Blick des Zuschauers wird also in der gleichen Weise hinterfragt wie derjenige von Lisa, die Michael wirklich für einen Jungen hält.

Was können Sie uns zur Dramaturgie von TOMBOY erzählen?

Besonderen Reiz hat für mich der Moment, wo die Maske fällt und ein Protagonist zusehen muss, wie er mit den Folgen seines Tuns zurechtkommt. Ich wünschte mir eine einfache, stringente Dramaturgie: Es ging darum, das Treiben einer Person zu beobachten, die mit starkem Willen auf ein bestimmtes Ziel fixiert ist und dabei ein doppeltes Spiel spielt. Und daraus ergibt sich dann die ganze Spannung: Laure alias Michael sieht sich ja fortwährend mit der Frage konfrontiert, ob man ihr nicht auf die Schliche kommen wird – und der Zuschauer stellt sich genau dieselbe Frage. Dieses Handlungsmuster ermöglicht somit die Identifikation mit der Hauptfigur und eine gewisse Empathie. Die Frage nach der sexuellen Identität betrifft ja jeden von uns, vor allem in jener Phase der Kindheit, in der man eher von "Verkleidung" als von "Travestie" redet. Man kann darin den Beginn eines radikalen, grundlegenden Wandlungsprozesses sehen oder auch nur eine vorübergehende Episode in der Entwicklung eines Kindes, das in einer bestimmten Phase beschlossen hat, so etwas einfach mal auszuprobieren.


Wie haben Sie Zoé Héran gefunden, die Darstellerin von Laure alias Michael?

Das Casting war im Grunde unsere größte Sorge, waren geeignete Darsteller doch eine Conditio sine qua non, um diesen Film verwirklichen zu können. Vor allem mussten wir ein Mädchen finden, das als Junge glaubhaft erscheinen würde und in der Lage wäre, einen solchen auch zu spielen. Es ist kaum zu glauben, tatsächlich sind wir auf Zoé aber bereits am ersten Tag des Castings gestoßen. Im Rückblick erscheint die Begegnung geradezu romantisch, sie war es aber auch schon im ersten Moment: Zoé Héran war genau die seltene Perle, nach der wir gesucht hatten. Ich war auf Anhieb von ihrer Körperhaltung beeindruck, davon, wie photogen sie war. Sie begeisterte sich für Fußball, war gern bereit, sich ihre langen Haare abschneiden zu lassen, und wirkte sehr natürlich in der kleinen Probeszene, die wir sie spielen ließen. Sie gefunden zu haben, hat uns sehr geholfen, die nötigen finanziellen Mittel aufzutreiben. Die Leute brauchten nur ihr Photo zu sehen, um sofort zu begreifen, dass sie die Idealbesetzung war: Die zentrale Filmfigur hatte ein Gesicht bekommen…

Musste Zoé es überhaupt erst einüben, sich wie ein Junge zu benehmen?

Sie hatte das schon vorher an sich. Nachdem wir ihr dann auch noch die Haare geschnitten hatten, fühlte sie sich erst recht dazu berechtigt, sich genauso zu benehmen. Diese Dualität war ihr also durchaus vertraut, man musste sie jedoch dazu bringen, sich auch ganz auszudrücken und daraus eine Filmfigur zu konstruieren. Laure alias Michael erlebt ja in einem fort sehr widersprüchliche Gefühle, die zwischen Sorglosigkeit, augenblicklichen Glücksgefühlen und dem Bewusstsein ihres falschen Spiels angesiedelt sind. Auch unser Arbeitsverhältnis war durch diese Kontraste geprägt: Wir hatten keineswegs dieselbe Beziehung zueinander, wenn sie das eine Mal Michae¬¬l und dann wieder Laure spielte. Bei den Szenen, in denen sie Laure verkörperte, handelte es sich im Wesentlichen um Innenaufnahmen: Ich war da sehr auf sie konzentriert, der Kontakt zwischen uns war viel zärtlicher und auch kindlicher. Wenn sie sich hingegen als Michaël im Freien herumtrieb, dann ging es gröber zur Sache: Die Tonlage war dann eine ganz andere, allein schon, um sich bei der Gruppe Gehör zu verschaffen. Es war viel schwieriger, ihr in Gegenwart ihrer Freunde Anweisungen zu erteilen, weil sie sich da sehr leicht ablenken ließ. Es ist ja auch wirklich eine sehr heikle Rolle, die sie da zu spielen hatte! Daher konnte ich ihren Hang zur Flucht schon gut verstehen.

Und wie haben Sie die anderen Kinder gefunden?

Für die kleine Schwester haben wir uns rund ein Dutzend kleiner Mädchen im Alter zwischen fünf und sechs Jahren angeschaut, die alle sehr süß waren, aber ziemlich herumstotterten und wie Babys sprachen. Malonn Lévana, für die wir uns schließlich entschieden haben, entsprach nicht nur äußerlich meinen Vorstellungen, vielmehr verkörperte sie auch eine gewisse Reife in ihrer Ausdrucksweise, was etwa den Reichtum ihres Wortschatzes betraf. Als nächstes mussten wir für Lisa eine Darstellerin finden, was gar nicht einfach war, zumal mir alles andere als eine hübsche kleine Prinzessin vorschwebte, sondern eher ein etwas spröde wirkendes Mädchen. Die Casting-Leiterin stellte mir schließlich Jeanne Disson vor, ein Mädchen aus ihrem Viertel, das bis dahin noch nie einen Gedanken daran verschwendet hatte, sich vielleicht einmal als Schauspielerin zu versuchen. Sie war neun Jahre alt und wirkte noch recht kindlich, zugleich strahlte sie aber auch etwas sehr Empfindsames aus. Wir haben sie noch am ersten Tag mit Zoé zusammengebracht: Ihr Treffen war geprägt von einer gewissen Verlegenheit, aber auch von wechselseitiger Neugier – ganz so, wie man sich das bei einer Begegnung zwischen einem Jungen und einem Mädchen erwarten würde. Nachdem wir die drei wichtigsten Rollen besetzt hatten, machten wir uns über die Clique Gedanken, in der sich Michael und Lisa bewegten, jedoch war diese in unserem Drehbuch noch überhaupt nicht klar vorgezeichnet. Schließlich haben wir uns dafür entschieden, Zoés Freunde aus dem echten Leben zu nehmen, knapp ein Dutzend Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren, mit denen sie Fußball zu spielen pflegte. Deren einzelne Rollen habe ich erst während der Dreharbeiten mehr oder weniger improvisiert, woran wir dann auch beim Schneiden nichts mehr verändert haben.

Wie verliefen die Dreharbeiten?

Das größte Problem bestand darin, dass Kinder recht schnell ermüden und in Bezug auf die Arbeit nicht dasselbe Verantwortungsgefühl zeigen wie Erwachsene: Wenn sie keine Lust mehr haben, dann haben sie eben keine Lust mehr und basta! Man muss da irgendwie eine Balance zwischen kumpelhaftem und autoritärem Ton, zwischen kontrollierter Arbeit und Gelassenheit finden. All das habe ich vor den Drehbucharbeiten gründlich unterschätzt – glücklicherweise, denn sonst wäre der Film niemals entstanden. Die Szenen, die allein zwischen den Mädchen spielen, waren nicht improvisiert, die standen schon alle so im Drehbuch. Die Art, wie wir sie dann tatsächlich umsetzten, war jedoch stark an die Bedürfnisse von Kindern angepasst. Wir drehten oft Sequenzen, die über 10 Minuten lang dauerten und die wir mehrmals hintereinander wiederholen ließen. Ich unterbrach die Aufnahmen nur selten, um die Kinder nicht mit dem Ehrfurcht gebietenden Zeremoniell von "Klappe" und "Action"-Rufen zu verunsichern. Dahinter stand die Absicht, eine spielerische Atmosphäre zu erzeugen, um ein Höchstmaß an Natürlichkeit zu erreichen.

Und wie setzten Sie die Gruppenszenen um?

Was die Spielszenen betraf, beispielsweise die Fußballsequenz, so legte ich da großen Wert auf die Choreographie. Ich wollte freie Körper sehen und all das aufnehmen, was sie an Spontaneität zu bieten hatten. Gleichzeitig hatte ich aber durchaus auch eine regelrechte Inszenierung im Sinn. Übrigens waren dies die Szenen, bei denen am meisten geschnitten wurde und wo am meisten Technik zum Einsatz kam, etwa in Form von Kamerafahrten. Bei den Spielen wie "Wahrheit oder Pflicht" folgten wir einem bestimmten Schema: Wir überließen die Kinder ganz ihrem Spiel und entwickelten dann daraus unsere Filmszene. Ich zeigte ihnen während der Aufnahme die zu stellenden Fragen an, ließ ihnen dabei aber die Freiheit, weiter zu improvisieren.

Wie ist Laures Beziehung zu ihrer Schwester?

Durch das Auftreten der Schwester kommt ein komödiantische Element hinzu – auch wenn diese Rolle weit über diesen Aspekt hinausgeht. Die Szenen zwischen Laure und ihrer kleinen Schwester stellen wahrscheinlich die intimsten Momente des Films dar: Sie bringen eine verschworene Geschwistereinheit zum Ausdruck, die sehr persönlich ist. Ich wollte eine kreative Beziehung gegenüber einer jüngeren Schwester zeigen, und auch das spezielle Gefühl zum Ausdruck bringen, die Ältere zu sein, was ja die Last und zugleich das Vergnügen impliziert, absolute Bezugsperson zu sein. Das war mit viel Arbeit verbunden, da beide Darstellerinnen Einzelkinder sind, die ein solches Geschwisterverhältnis aus eigener Erfahrung gar nicht kannten.

Ich habe den Eindruck, dass sich die Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern zunehmend von den traditionellen Klischees entfernen.

Bei TOMBOY fand ich es reizvoll, die Eltern mit einzubeziehen, um so die Zärtlichkeit familiärer Bindungen, diesen so speziellen Zusammenhalt abbilden zu können. Gleichzeitig sollte aber auch spürbar werden, dass das Verhältnis zum Vater ein ganz anderes ist als das zur Mutter. Die Familienszenen sind schon fast so etwas wie ein Film im Film: eine Chronik des Alltäglichen. Mir war es auch wichtig, möglichst deutlich zu zeigen, dass Laures Verhalten nichts mit einer Flucht aus der Wirklichkeit zu tun hat – sie fühlt sich ja eigentlich ganz wohl in ihrem Zuhause. Hier liefert der Schoß der Familie also nicht den Schlüssel, um das Verhalten der Protagonistin zu erklären.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, mit der Digitalkamera Canon 7D zu drehen?

Ich war von vornherein der festen Überzeugung, dass es zur Verwirklichung dieses Films eines großen künstlerischen Gestaltungswillens bedurfte, ob dies nun die Dekors, die Kostüme, die Farben oder ganz allgemein die bildliche Umsetzung betraf. Durch die Verwendung der Digitalkamera veränderte sich auch unsere Ausgangslage, denn Crystel Fournier, unsere Kamerafrau, hatte sie noch nie zuvor benutzt und durfte sich nun damit amüsieren, sie einmal auszuprobieren. Da sie weniger wiegt als herkömmliche Kameras, erleichterte sie es uns auch, auf Augenhöhe der Kinder zu filmen. Außerdem gefiel mir der Aspekt, dass diese Kamera das Signum unserer Zeit trägt: Sie verkörpert ein "Hier und Jetzt", das perfekt zum Film passt.

In TOMBOY kommt praktisch keine Musik vor, sieht man von einer einzigen Tanzszene ab.

Meine Absicht war es in der Tat, einen Film ohne Musik zu drehen, jedoch hatte ich Lust auf eine Tanzszene. Para One (der bereits zu WASSERLILIEN die Musik beigesteuert hatte) und Tacteel hatten mir bereits einige Zeit vor den Dreharbeiten eine Aufnahme ihres Songs "Always" vorgespielt. Ich beschloss, ihn für eine bestimmte Szene des Films zu verwenden – derjenigen nämlich, wo sich zwischen den beiden Mädchen eine zärtliche Liebesgeschichte anzubahnen scheint – und die Choreographie des Tanzes dann danach auszurichten. Es ist ein heiteres, kindliches Stück, das in einem gewissen Kontrast zu der etwas melancholischen Melodie steht. Mir gefiel die Idee, dass dieses Lied ganz am Ende, während des Abspanns, erneut zu hören sein würde. Zweifellos hätte der Film auch mehr Musik verkraftet, jedoch hätte dann die Gefahr bestanden, dass sie, dem Kommentar eines Erwachsenen gleich, eine Distanz zwischen der Hauptfigur und dem Zuschauer bewirkt hätte, wo doch der Film fortwährend darum bemüht ist, sich auf die Ebene der Kinder zu begeben.

DVD & Blu-ray

DVD

Bildformat1,85:1 (16:9)
TonformatDeutsch, Französisch Dolby Digital 5.1
Untertiteldeutsch
EAN4042564134421
FSK12
Laufzeit82 Minuten
Extras

Interview mit Céline Sciamma - Trailer

Bluray

Bildformat1,85:1 (1080p)
TonformatDeutsch, Französisch DTS-HD MA 5.1
UntertitelDeutsch
EAN4042564134438
FSK12
Laufzeit85 Minuten
Extras

Interview mit Céline Sciamma - Trailer

PRESSESTIMMEN

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