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So viele Jahre liebe ich dich

Originaltitel

Il y a longtemps que je t’aime

DVD/Blu-ray Start

DVD: 15.05.2009
Blu-ray: 29.04.2011

Kinostart

Deutschland: 13.11.2008
Österreich: 12.12.2008

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Produktion

Frankreich 2007

Bild- und Textmaterial finden Sie auf unserem Presseserver
nicht-gewerbliche Rechte

15 Jahre lang hatte Juliette keinerlei Kontakt zu ihrer Familie. Nachdem das Leben die beiden gewaltsam getrennt hatte, trifft sie ihre jüngere Schwester Léa wieder. Léa führt mit ihrem Mann Luc und ihren beiden Töchtern ein glückliches Familienleben, in das sie die verschlossene Juliette warmherzig aufnimmt. Gemeinsam überwinden die beiden entfremdeten Schwestern die Geheimnisse der Vergangenheit und bauen das verlorene Vertrauen Stück für Stück wieder auf.

„So viele Jahre liebe ich dich ist ein Film über die Stärke der Frauen, über ihre Fähigkeit zu strahlen, sich neu zu erfinden, neu aufzuleben. Es ist eine Geschichte über unsere Geheimnisse und das Eingesperrtsein. Unser Eingesperrtsein.“ (Philippe Claudel)

„Il y a longtemps que je t’aime“ gewann den Publikumspreis des Wettbewerbs der Berlinale 2008 und den Preis der ökumenischen Jury.

CAST & CREW

BESETZUNG

Juliette KRISTIN SCOTT THOMAS
Léa ELSA ZYLBERSTEIN
Luc SERGE HAZANAVICIUS
Michel LAURENT GRÉVILL

STAB

Regie PHILIPPE CLAUDEL
Produktion YVES MARMIONS
Drehbuch PHILIPPE CLAUDEL

BACKGROUND

Interview mit Philippe Claudel

Als erfolgreicher Romanautor haben Sie mit SO VIELE JAHRE LIEBE ICH DICH Ihren ersten Film gedreht. Was hat Sie motiviert, Ihre gewohnte Erzählweise zu verändern?

Ob beim Erzählen mit Worten, als Maler oder durch die Kamera: Mich interessieren bei allen Verfahren die Bilder. Mit ihnen lässt sich der Welt Tiefe geben, man kann ihr eine zweite Ebene geben, sie reflektieren und ausloten. Das Kino und mich verbindet eine lange Liebe. Als Student in Nancy, in den frühen 80er Jahren, habe ich mehrere Kurzfilme gedreht – vor und hinter der Kamera, als Autor, Kameramann, Schauspieler, Cutter. Später habe ich mich mehr dem Schreiben gewidmet, aber über die Freundschaft zu Yves Angelo, der zwei meiner Romane verfilmte, bin ich stärker ins Filmemachen eingetaucht. Bei „Die grauen Seelen“ involvierte er mich in den Castingprozess und die Proben mit den Schauspielern. Da habe ich Lust bekommen, einmal ein ganzes Filmprojekt durchzuführen. Ich habe allerdings gewartet, bis ich eine Geschichte fand, die ich mit aller Leidenschaft und um jeden Preis inszenieren wollte.

Inwiefern unterscheiden sich die beiden Erzählweisen für Sie?

Einen Film zu machen ist sehr kompliziert, es erfordert unglaublich viel Zeit, Energie und Geld. Dreharbeiten sind ungleich kräftezehrender als das Schreiben. Einen Roman kann ich schreiben wann und wo ich will und mir alles selber einteilen. Aber wenn die Filmmaschinerie einmal in Gang gesetzt ist, kann sie nichts mehr stoppen. Um diesen Wahnsinn durchzuhalten, brauchte ich einen Stoff, der mich total beschäftigt, der den Riesenaufwand rechtfertigt und der die nötige Leidenschaft aufrecht erhält. Das war der Fall mit SO VIELE JAHRE LIEBE ICH DICH.

Hätten Sie den Film auch als Roman umsetzen können?

Nein. Da gibt es eine klare Trennung in meinem Kopf. Wenn mir Versatzstücke einer Geschichte einfallen, weiß ich sofort, ob es ein Film oder ein Roman wird. Manchmal sprechen mich Produzenten an, ob ich ein Drehbuch zu einem Roman umschreiben kann –  das lehne ich immer ab. Das könnte ich nicht, und es interessiert mich auch nicht. Dennoch ist der Film das Werk eines Romanciers. Die Perspektiven lassen sich natürlich nicht trennen. Ich schreibe Romane wie ein Cineast und Drehbücher wie einen Roman. Ein Lektor sagte mir einmal, dass ich meine Romane zu „visuell“ schreibe. Bei diesem Film habe ich romanhafte Techniken für die Bildsprache verwendet, um einen bestimmten Rhythmus zu erreichen. Eine sorgfältige, ruhige Komposition aus kleinen Einheiten, die sich auch in Schauspielweise, Bildausschnitten, Kameraführung und Schnittfolge wieder finden sollte. So habe ich Juliettes Entwicklung auch in der Bildsprache ausgedrückt: Anfangs zeige ich sie mit statischer Kamera, in strengen, starren Kadrierungen. Im Laufe des Films öffne ich ihr den Raum, die Kamera wird mobiler. Solche Nuancen sind mir wichtig. Mit einem lauten, hektischen Kino kann ich nichts anfangen. Ich finde, wir sollten uns wieder mehr auf das Warten, die Langsamkeit und die Geduld einlassen.

Welchen Ausgangspunkt haben Sie bei SO VIELE JAHRE LIEBE ICH DICH für die Geschichte genommen? Die Geschichte der beiden Schwestern oder Motive wie Gefangensein, Neuanfang, Schuld und Vergessen? Oder kam all dies bruchstückhaft?

Grundsätzlich mag ich es nicht, mich auf ein Genre, eine Zielgruppe oder einzelne Themen zu beschränken. Mein Ausgangspunkt ist immer die Vielfalt des Lebens und meine Absicht, ehrlich und wahrhaftig zu erzählen. Diese Geschichte hat mir erlaubt, lose Elemente weiter herauszukristallisieren, die mich schon immer beschäftigt haben: Verschlossenheit, Schweigen, Geheimnisse und die Bereitschaft zu verletzen. Dabei haben ein paar eigene Erfahrungen eine Rolle gespielt. Zum Beispiel habe ich – wie die Figur des Michel – elf Jahre lang im Gefängnis unterrichtet. Außerdem liebe ich Frauen. Mich fasziniert ihre Kraft, ihre Fähigkeit sich aufrecht zu halten und sich neu zu erfinden, wenn Männer längst in Selbstmitleid versinken. All dies hat sich schnell zu der Geschichte entwickelt. Ich habe einen schnellen Entwurf verfasst und bin damit im Winter nach Lappland gefahren. Ein magischer Ort zum Schreiben! Im Januar kam ich mit einem fertigen Drehbuch und genauen Vorstellungen von Bildern, Licht, Ausstattung, Ton und Schauspielern zurück.

Haben Sie für die Rolle der Juliette gleich an Kristin Scott Thomas gedacht?

Bei Léa hatte ich immer Elsa Zylberstein im Kopf. An ihr schätze ich die besondere Mischung aus Freude und großer Zerbrechlichkeit. Dann kam Kristin ins Spiel. Obwohl sie schon so lange in Frankreich lebt, schien sie mir im französischen Kino immer unterbeschäftigt. Sie hat das Drehbuch sofort gemocht, obwohl es für sie eine umfassende Transformation bedeutete: Von der wunderschönen Frau, die sie ist, und der Eleganz ihrer bekanntesten Rollen musste sie sich hier in eine Ex-Inhaftierte verwandeln, deren Gesicht und Kleider die Farben der Mauern angenommen haben, die sie so lange einsperrten. Das passiert mit den meisten Häftlingen. Es war ein unglaubliches Privileg, mit diesen überragenden Schauspielerinnen zu arbeiten. Ich habe mich nicht in sie verliebt, aber in das, was sie dem Film geben konnten. Beim Rest der Besetzung habe ich vor allem auf authentische Charaktere geachtet, die großes Talent besitzen, aber im Kino noch nicht „verbraucht“ sind. Laurent Grévill, der Michel spielt, hat beispielsweise auch in Gefängnissen unterrichtet und war in ein Mädchen verliebt, das er auf einem Gemälde wiederfand. Sein unauffälliger Charme korrespondiert wunderbar mit Kristin. Ich liebe das Casting – für mich ein leidenschaftlicher, magischer Prozess, voller Hoffnung, Wunder, Unmöglichkeiten, Zufällen und Entscheidungen.

Die Figuren, die Sie um Juliette gruppiert haben, leisten alle ihren Teil für Juliettes allmähliche Öffnung in Richtung Leben. Welche Funktion hat zum Beispiel Capitaine Fauré?

Er ist eine Art Double von Juliette, ebenfalls ein gebrochener Mensch. Doch die Hilfe, die sie von Anderen erfährt, die sie wieder auf die helle Seite des Lebens führen, kann sie ihm nicht anbieten. Er verhält sich rührend und urteilt nie über sie. Neben P’tit Lys, Léas älterer Tochter, ist er der einzige Mensch, der sich Juliette gegenüber normal verhält. Daher spürt sie eine fatale Verantwortung für das, was er sich schließlich antut.

Wie steht es mit P’tit Lys und Emélia, Léas und Lucs Adoptivtöchtern?

Sie passen gut in das Geheimnisthema und stehen allgemein für das Enigma der Herkunft. Der Film soll auch das System „Familie“ hinterfragen und das, was eine Familie „normalerweise“ konstituiert. Die alten Menschen im Film haben sich geistig aus der Welt zurückgezogen. Mit Léas und Juliettes Mutter als Alzheimer-Patientin und der Sprachlosigkeit von Lucs Vater wollte ich die Palette des Gefangenseins erweitern. Nicht nur das physische Gefängnis, sondern auch die Einschränkungen durch Alter, Einsamkeit und Trauer sollten eine Rolle spielen.

Das präzise Casting ergänzen Sie durch viele realistische Details und Anekdoten, die dem Film eine große Wahrhaftigkeit verleihen.

Was das betrifft, bin ich sehr rigoros, fast kontrollsüchtig. Ich überlasse nichts dem Zufall: Dekoration, Mobiliar, Make-up, Kostüme, Form und Farbe der Kleider. Juliettes Transformation wollte ich zum Beispiel auch an ihrer Garderobe illustrieren. Anfangs ist sie völlig ungeschminkt, blass, ihr Haar ist glanzlos. Am Flughafen trägt sie einen altmodischen Mantel, der ihr viel zu groß ist, auch an ihm trägt sie eine Last. Sie ist Kettenraucherin, aber aus Sucht, nicht aus Genuss. Die Einrichtung in Léas und Lucs Haus soll genau ihr Einkommensniveau und den Stil ihrer provinziellen Umgebung wiedergeben. Architektonisch kommen im Film viele Linien vor, die an Gefängnisgitter erinnern sollen, aber auch viele verschlungene Formen wie das Schwimmbad und das Treppenhaus bei Léa und Luc. Auch die Farben entwickeln sich: Zu Beginn ein strenges Grau à la Hitchcock, später sanfteres, wärmeres Licht, wie im Landhaus. Außerdem wollte ich, dass sich unser Komponist, Jean-Louis Aubert, oft am Set aufhält, was seine großartige Musik sehr nah an die Figuren geführt hat. Die Zusammenarbeit mit den anderen Departments ist das, was mir am Filmemachen am meisten Freude bereitet.

Hat sich all dies bewährt? Sind Sie zufrieden mit dem Resultat?

Dank aller, die dazu beigetragen haben, habe ich mit dem Film für mich das geschafft, was ich erreichen wollte: Eine gleichzeitig starke und sensible Geschichte, mit einer durchdachten, konsequenten, schlichten Bildsprache, die den Zuschauer nicht langweilt, sondern zum Nachdenken anregen soll. Eine ernste Geschichte mit alltäglichen Aspekten, die voll von Optimismus ist - trotz der tragischen Umstände. Eine ehrliche Geschichte über das Leben, die ihre Figuren zum Licht, zu Neuanfängen führt, zu Verständnis und Liebe. Eine Liebesgeschichte.

DVD & Blu-ray

DVD

Bildformat1.85:1 (anamorph)
TonformatDD 5.1 (Deutsch, Französisch)
UntertitelDeutsch
EAN4042564073249
FSK6
Laufzeit115 Minuten
Extras

Interview mit Philippe Claudel (Regie) · Deleted Scenes · Trailer

Blu-ray

Bildformat1,85:1 in High-Definition
TonformatDTS-HD 5.1 (Deutsch, Französisch)
UntertitelDeutsch
EAN4042564129250
FSK6
Laufzeit117 Minuten
Extras

Interview mit Philippe Claudel · Deleted Scenes · Trailer

PRESSESTIMMEN

„Ein Film voller Zärtlichkeit . Ein gelungenes Debüt.“ Kinozeit.de

„Ungeheuer zärtlich“ Tagesspiegel

„Eine große Leistung“ Perlentaucher

„Absolut fesselnd” Variety

„Tiefsinnig und bewundernswert. Noch nie war Kristin Scott Thomas so ergreifend…“ Le figaro

„Der bewegendste Film des Jahres“ Der Spiegel

„Ein Wunder“ Die Welt

„Grandios“ Der Tagesspiegel

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